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Reisetagebuch
Interviews

Drei Fragen an: Johannes Frauenschuh

25 March 2026 | Interview

Was verbindet Dich mit Leben und Werk von Beethoven?

Als Mensch, Künstler und Kulturwissenschaftler nähere ich mich der Figur Ludwig van Beethoven auf mehreren Ebenen. Sein Leben und Werk wird mir dabei zu einer Projektionsfläche, wobei diese Fläche unweigerlich von jenen Bildern und Erzählungen durchzogen ist, die sich im Nachhinein um ihn herum gesponnen haben.

Meine Vorstellungen von Beethoven sind wohl sehr stark mitgeprägt von diesen Zuschreibungen bzw. Vorurteilen sein Leben und Werk betreffend. Manche seiner Werke sind mir sehr nah, andere bleiben (noch) in einer gewissen Ferne. Doch immer wieder scheint mir seine Musik wie eine Art Landschaft zu funktionieren: Sie entfaltet sich in Schichten, von zart angedeuteten Linien bis hin zu monumentalen Formationen, durchzogen von Brüchen und fließenden Übergängen. Darin erkenne ich eine leise Verwandtschaft zu meiner eigenen Arbeit in der Landschaftsmalerei. Nicht das Abbild einer Landschaft steht für mich im Vordergrund, sondern die Verdichtung von Farbe und Form hin zu Rhythmus und Atmosphäre.

Was reizt Dich an der Tour und welche Erwartungen hast Du persönlich und beruflich?

Ich stelle eine Analogie her zwischen dem Tour-Konzept und einer erweiterten Landschaft: Die Tour hat nicht nur eine geografische Komponente, sondern auch eine soziale, eine historisch, eine klangliche etc.. Auch in meiner eigenen künstlerischen Praxis ist Landschaft nie statisch, sondern sie entsteht vielmehr durch Bewegung, Wahrnehmung und Erinnerung.

Ich erwarte mir im Rahmen der Tour eine Vertiefung meines Interesses an jenen Schnittstellen, die zwischen den Bereichen von Malerei und Musik existieren. Wie lassen sich etwa Farbklänge in materialisierte Farbe und Form übersetzen? Beruflich sehe ich im Rahmen der Tour die Chance, meine bildnerisches Tun wieder stärker in kollaborative Kontexte zu überführen. Nicht zuletzt reizt mich die Tour auch aufgrund des experimentellen Charakters: So ist sie nicht nur Bühne, sondern auch Labor.  

Wenn Beethoven Dir gegenübersitzen würde: Welche Themen sprichst Du an? Welche Fragen stellst Du?

Mich würde interessieren, ob Beethoven Komposition als etwas Körperliches empfindet, also als einen Vorgang, der sich mit und durch das Medium des menschlichen Körpers vollzieht? Lassen sich etwa Analogien herstellen zu meiner bildnerischen Praxis als „Bewegung durch Raum und Zeit“.

Ich würde ihn beispielsweise nach den Gestaltungsprinzipien von Wiederholung und Variation befragen und auch danach, woher er die Inspiration für sein Schaffen bezieht: aus der Natur, aus inneren Spannungen, aus den Spannungsfeldern des Zusammenlebens, aus der Analyse von Klängen selbst? Ich würde ihn vielleicht fragen: Wie würdest du Stille visualisieren? Nicht zuletzt würde ich das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft aus seiner Perspektive erkunden wollen. In einer Zeit politischer Umbrüche, welche Rolle kommt der Kunst zu? Und was bedeutet Freiheit in diesem Zusammenhang?